Textprobe aus "Sturmblüte" - Gedanken und Gebete 
   

Sturmblüte

Sturmblüte bist du
blühender Mohn
mitten im Acker
unter fruchttragenden Ähren

Korn gibt Brot
dein leuchtendes Rot aber
trifft den Winter
in meiner Seele
erleuchtet das Dunkel
dieser Mitternacht

Mohn, Mohn
erblühst
trotz
Wetter, Wind und Nacht

du öffnest deine
Stachelhaut
entfaltest Blatt für Blatt

noch hat der Sturm
die Oberhand
rafft alle Blüten weg
nur nackter Stiel
und nackte Frucht
dem Winde ausgesetzt

ach Mohn, Mohn
ich warte tot
auf Auferstehung, Sommer, Rot

ob je ein Frühlingssonnenlicht
auf die verstreuten Samen trifft
sich je ein neues Mohngesicht
am Morgen wieder öffnen wird?

Sturmblüte bist du, Mohn
nicht Opium fürs Volk
sondern Blume des Trostes

 

Ausblick

Hast dieser welken Pflanze Hoffnung
auf meinem Fensterbrett der Zukunft
doch eine Blüte wachsen lassen

und meinem schwingenlosen Mut
am Ende meiner Welt
Vertrauensflügel neu geschenkt

Du trägst trotz flügellahmer Kraft
mich fort zu neuem Horizont
Du guter Schöpfergott

 

ISBN 3-9522552-0-3
Alle Rechte bei den Autorinnen
Blaufeder-Verlag
Ackerstrasse 7
C
H-9500 Wil/SG